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Liebe Leser,

Heute möchten ich Ihnen einen, für mich, besonderen Text vorstellen. Es ist einer von den Texten, die ich während meines Studiums geschrieben habe und der später zur Basis für den Krimi „Endstation Steeseler Plateau“ wurde. Viel Spaß.

Ihre Monique

 

 

Kein Tag wie ein anderer

 

 

Das Häuschen ist klein und unscheinbar. Es ist fast eins mit dem dichten Tannenwald, an den es grenzt. Molly liebt es! Seit ihrer Geburt, bei der ihre Mutter gestorben ist, lebt sie hier mit ihrem Vater. Molly liegt auf einer Karodecke im Vorgarten und lässt sich von der Sonne den Rücken wärmen. Ihre frechen, blonden Haare mit den Schokosträhnchen glänzen in der Sonne, die Nase steckt in einem Buch. Ihr Mund steht halboffen, die Augen rollen hin und her, fegen wie der Wind über die Seiten. Sie ist fasziniert von der Hauptfigur ihres Romans, Detektivin Cathe Blanchot. Molly hat alle Bücher über sie gelesen. Später will Molly Kriminalistik studieren. Ihr Traumberuf: Detektivin. Ihr Vater ist komplett dagegen; sie soll sich etwas Ungefährlicheres aussuchen. Aber enden wie er, einer von Hunderten bei einer großen Versicherungsgesellschaft, nein, das will sie nicht!

 

Eigentlich müsste Molly mit den anderen Schülern der neunten Klasse im Museum sein. Aber vorgetäuschte schlimme Bauchschmerzen erlauben ihr zu Hause zu bleiben. Sie hat bis zwei Uhr nachts mit der Taschenlampe unter der Bettdecke den neuen Roman von Cathe verschlungen, ist aber zwanzig Seiten vor Schluss übermüdet eingeschlafen. Bevor sie nicht das Ende der Geschichte kennt, wird sie an diesem Tag sowieso nichts auf die Reihe bringen.

 

Fremdartige Geräusche aus dem Tannenwald lassen Molly aufhorchen. Zuerst ein Knarren, dann ein dumpfer Knall. Anschließend Rascheln und Knacksen, Schritte! Molly läuft hinters Haus, in den Wald. Nach wenigen Metern ist es düster. Sie hat Angst, aber ihre Neugier ist stärker. Das eigenartige Rascheln entfernt sich von ihr. Sie bewegt sich weiter, bleibt stehen, lauscht. Es ist still. Sie dreht sich um und will zurückgehen, als sie einen winzigen Lichtstrahl nicht weit von ihr entfernt aus der Erde scheinen sieht. Instinktiv bewegt sie sich auf ihn zu. Molly steht vor einer Falltür. Sie kann sehen, dass die Tür normalerweise mit Blättern bedeckt ist. Sie ist also kürzlich geöffnet worden. Vorsichtig rüttelt sie dran. Sie ist schwer, bewegt sich aber. Mit voller Kraft stemmt sie die Tür hoch. Eine Leiter aus Holz führt nach unten. Molly überlegt nicht lange sondern steigt hinab, ungefähr zwei Meter unter die Erde. Eine Art Tunnel liegt vor ihr. Sie kann aufrecht gehen. Jede paar Meter leuchtet spärlich eine Birne. Vorsichtig geht sie weiter. In ihrem Kopf wirbeln die Gedanken umher. Nun lebt sie schon so lange hier, hat als Kind hundertmal im Tannenwald gespielt, aber dieser Tunnel ist ihr verborgen geblieben. Unerwartet hört sie ein Surren, ein Pfeifen, dann wieder Stille. Sie ist sicher, dies ist keine Tierbehausung. Ein verhaltenes Niesen bestätigt ihren Verdacht. Mollys Fantasie geht kurz mit ihr durch. Vielleicht lebt hier ein Kobold, ein Zauberer oder ein Verbrecher. Ein Schauer läuft ihr über den Rücken. Trotzdem bewegt sie sich weiter. Dann erblickt sie die Tür, eine einfache Holztür. Auf Zehenspitzen schleicht sie hin. Durch einen Spalt späht sie hinein. Sie sieht den Rücken eines Mannes. Er sitzt gebeugt auf einem Bürostuhl und dreht hektisch an den Knöpfen eines Senders. Um ihn herum liegt ein Wirrwarr von Dokumenten. Vor ihm, auf einem Regal liegen Sprachverzerrer, Wanzenfinder und ein Peilsender. Molly kennt diese Apparate aus Krimis und Büchern. Andere Geräte kennt sie aus der Ausstellung `Die Ardennenoffensive im 2. Weltkrieg`. Es sind Armeefunkgeräte, die auch unterirdisch funktionieren. Molly ist so fasziniert, dass sie erschreckt, als der Mann sich bewegt. Instinktiv schlägt sie die Hand vor den Mund, berührt dabei ungewollt die Tür. Es knarrt in den Angeln und die Tür gleitet einige Zentimeter auf. Molly erstarrt. Sie drückt sich gegen die Wand. Sie hört wie der Mann auf die Tür zuschreitet. Jetzt hat Molly richtig Angst. Soll sie weglaufen? Sie spürt, wie der Mann die Tür berührt. Sie dreht sich um und läuft zurück, springt auf die Leiter, klettert hoch. Plötzlich spürt sie seinen Griff um ihr Fußgelenk. Es ist als hält eine gewaltige Tatze sie fest. Es ist sinnlos, sich zu wehren. Er ist stärker.

„Komm runter.“

Molly drehte sich um. Der Mann trägt eine schwarze Maske. Vor Angst bebend, steigt sie hinab. Sie ist überrascht, als der Mann ihr die Hand reicht.

„Hab keine Angst sagte er. Ich tu dir nichts!“

„Ich hab keine Angst“, erwiderte sie trotzig.

Bestimmt, aber sanft schupst er sie zurück in den Raum und drückt sie auf einen Stuhl. Er setzte sich ihr gegenüber und sieht sie an. Seine Augen wirken traurig und zugleich vertraut.

„Dieser Augenblick und das was du nun erfährst“, sagt er in fast väterlichem Ton, „wird dein Leben verändern. Aber es gibt keine andere Lösung, da du mein Geheimnis nun kennst… Molly!“

Er kennt ihren Namen! Molly nickt nur. Langsam greift der Mann mit der linken Hand an seine Maske, hält kurz inne, zieht sie vom Gesicht.

Molly traut ihren Augen nicht. „Daddy! Du! Warum?“

„Molly, später erkläre ich dir alles, das verspreche ich. Wir haben jetzt nicht viel Zeit! Nur soviel, ich bin seit vielen Jahren Geheimagent beim CIA, aber heute hat mich jemand enttarnt. Wir beide, du und ich, sind in großer Gefahr. Wir können nicht mehr hier bleiben. Wir müssen weg.“

„Was heißt das Daddy?“

Er zögert, streicht ihr liebevoll über die Haare. „Neue Identität, neues Land, neues Leben!“

 

©Monique Feltgen 2008

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