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Liebe
Leserinnen und Leser, Viele von
Ihnen kennen ihn; den täglichen Kampf ums Überleben. In der Familie, im
Beruf, in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. Aber nicht
nur wir Erwachsene kämpfen… In diesem
Sinne viel Spaß mit der folgenden Geschichte! |
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Der Zauberapfel |
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Der Wecker klingelte, doch Matteo war
bereits wach. Heute war sein erster Schultag, an einer neuen Schule, in einem
fremden Land. Ihm war etwas mulmig zumute. Als Sohn deutsch/italienischer
Eltern war Matteo in Italien geboren, in der schönen Hauptstadt Rom. Seine
Mutter Helga hatte ihren Romeo auf einer Studienreise durch Italien
kennengelernt, und war bis vor kurzem nicht mehr nach Deutschland
zurückgekehrt. Damals hatten Freunde und Verwandte sie an den Pranger
gestellt. Verrückt und total
durchgeknallt waren die harmlosesten Töne gewesen. Nichtsdestotrotz
heiratete sie drei Monate später ihren Roberto und hatte es nie bereut. Neun
Monate später wurde Matteo geboren. Das war nun acht Jahre her. In der Hoffnung, dass seine Mama einfach vergessen
würde ihn zu wecken, verkroch Matteo sich in die tiefste Ecke seines Bettes. Er
dachte an den Tag, an dem seine Eltern ihm sanft beigebracht hatten, dass sie
nach Deutschland ziehen würden, weil man seinem Papa einen guten Job
angeboten hatte. Matteo war natürlich völlig dagegen gewesen. Rom und seine
Freunde Giovanni und Marcello zu verlassen, stellte er mit einem Tag ohne
Pasta gleich; ein regelrechtes Drama also! Seine Mama erklärte ihm, dass sie und sein
Vater lange über das Angebot nachgedacht hätten, und sie wären zu dem Schluss
gekommen, dass es das Beste sei, was sie für Matteos Zukunft tun könnten. Mit
dem Geld, das sein Papa verdienen würde, könnten sie ihm später ein Studium
ermöglichen. Außerdem würden sie in einem schönen großen Haus wohnen, mit
einem Swimmingpool und einem großen Garten. Er würde seine Freunde in den
Ferien besuchen können, oder sie ihn. Matteo hatte sich gesträubt, war
aufsässig und frech geworden und war sogar in den Hungerstreik getreten. Spaghetti
Bolognese hatten diesem Unterfangen Gottseidank noch am Abend des ersten
Tages ein Ende gesetzt. Doch all sein Protest hatte nichts genützt. Der Umzug
war unumgänglich gewesen. Seine Gedanken wurden jäh unterbrochen,
als die Schlafzimmertür geöffnet wurde. „Guten Morgen, mein Schatz. Hast du gut
geschlafen?“ Matteo hielt die Augen geschlossen und antwortete
nicht. „Matteo!“ Zärtlich berührte die Mutter seine
Schulter und streichelte ihm übers Haar. Sie wusste wie sehr ihr Sohn litt,
und es brach ihr das Herz. Trotzdem war sie sich sicher, dass, sobald er neue
Freunde gefunden hätte, die Wunden heilen würden, die der Umzug mit sich
gebracht hatte. Sie wusste aber auch, dass dies nicht leicht für ihn werden
würde, weil er ein sehr schüchterner Junge war. „Matteo! Aus den Federn, mein Engel. Du
möchtest doch nicht am ersten Schultag bereits zu spät kommen.“ Mit gequältem Gesichtsausdruck kroch er
unter der Decke hervor. Helga reichte ihm seine Lieblingskleidung.
Eine schwarze Jeans, Turnschuhe, und sein schwarzes T-Shirt mit schwarz-weißen
Streifen an Ärmeln und Hals. Es waren die Farben seiner Lieblings-Fußballmannschaft
Juventus Turin. Als Matteo schließlich zum Frühstück erschien, trug er seine
dunkelblaue Baseballkappe. Zum Zeichen seiner Rebellion hatte er sie verkehrt
aufgesetzt. Eigentlich mochten seine Eltern nicht, wenn er so zur Schule
ging, aber heute machten sie eine Ausnahme. „Buon giorno Matteo.“ Sein Vater gab ihm
einen freundschaftlichen Klaps auf den Kopf und lächelte ihm zu. „Non e un
buon giorno“, erwiderte Matteo trotzig „Dai, corragio.“ Dass Matteo an diesem Tag tatsächlich sehr
viel Mut brauchen würde, hätte auch sein Vater nicht gedacht. Nach dem
Frühstück brachte er ihn zur Schule. Auf dem Rücken trug Matteo seinen neuen
Schulranzen. Er war leer, bis auf einen Apfel. Es war ein besonderer Apfel
für Matteo. Seine Großmutter, die vor zwei Tagen aus Italien angereist war,
hatte ihn mitgebracht. Er war von seinem Lieblingsbaum, unter dem er so gerne
stundenlang mit seiner Nonna gesessen und ihr gebannt zugehört hatte,
wenn sie ihm Geschichten über alte Zeiten und seinen längst verstorbenen Nonno
erzählt hatte. „Er wird dir an deinem ersten Schultag Glück
bringen.“ hatte sie ihm versprochen. Seine Schulklasse bestand aus insgesamt
elf Schülern. Sieben Jungen, vier Mädchen. Sie schienen sich alle zu kennen,
und setzten sich jeweils zu zweit nebeneinander. Matteo setzte sich auf die übrig
gebliebene Bank. Die Tür ging auf, und die Lehrerin kam herein. Sie war noch
sehr jung und trug eine einfache Jeans und ein Sweatshirt. „Guten Morgen, Kinder.“ „Guten Morgen, Frau Lehrerin.“ „Ich hoffe, ihr hattet schöne Ferien und
habt jetzt viel Energie um das neue Schuljahr anzugehen.“ „Jaaaaa.“ Sie kannte die Kinder, da es die gleichen
wie im Schuljahr zuvor waren. Außer Matteo natürlich. Durch ein Gespräch
mit seinen Eltern verstand sie aber seine Situation. „Wie ihr seht, haben wir einen neuen
Mitschüler. Jemand der von weit her kommt, aus dem sonnigen Süden, aus
Italien.“ Mit sanfter, verständnisvoller Stimme bat sie Matteo, sich seinen
Klassenkameraden vorzustellen. Er war sehr aufgeregt und errötete. Zu allem
Unglück fing er auch noch an zu stottern. Die Klasse schüttelte sich vor Lachen,
so dass er am liebsten im Erdboden versunken wäre. Die Lehrerin rief die
Kinder zur Ordnung. Matteo nahm seinen ganzen Mut zusammen und stellte sich
vor. Anschließend bat die Lehrerin einen nach dem anderen, etwas über sein
Hobby zu erzählen. Bevor Matteo an der Reihe war, klingelte es zur Pause. Matteo
nahm seinen Apfel und verließ den Klassenraum. In dem Augenblick, als er
durch die Tür trat, schlug eines der Kinder ihm den Apfel aus der Hand. Er
flog in hohem Bogen durch die Luft und landete mit einem Poltern auf dem
Fußboden. Es war, als hätte man Matteo ins eigene Fleisch geschnitten. Ihm stiegen
die Tränen in die Augen. Bevor er reagieren konnte, hatten einige Jungen sich
auf den Apfel gestürzt. In Matteo stieg Wut empor. Er würde sich das nicht
gefallen lassen. Mit einem Brüllen stürzte er sich auf die Jungen, boxte,
drückte, biss und wühlte sich durch das kleine Menschenknäuel hin zu seinem
Apfel. Bevor die anderen Jungs begriffen hatten, was gerade geschehen war,
war Matteo samt seines Apfels durch die Tür zum Schulhof verschwunden. Stolz
atmete er die frische Luft ein und setzte sich auf eine Bank. Nachdenklich
sah er seinen Apfel an, rieb ihn kurz an seinem Hosenbein und biss herzhaft hinein.
Dabei dachte er an seine Nonna und dankte ihr, dass sie ihm diesen
Zauberapfel geschenkt hatte. Er hatte ihm die Kraft gegeben, sich durchzusetzen.
Von diesem Tag an hatten seine
Schulkameraden nicht nur Respekt vor ihm, sondern er hatte durch seinen Kampf
auch neue Freunde gewonnen. ©Monique Feltgen 2008 ! |
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